Nachhaltig wirtschaften, nachhaltig reden - oder beides?
Nachhaltigkeitsberichterstattung in Unternehmen
Das Leitbild der nachhaltigen Entwicklung stellt aus Umweltsicht eine
Horizontserweiterung in Richtung auf soziale und ökonomische Fragen
dar.
Nachdem in den 90er Jahren weltweit einige tausend Unternehmen Umwelterklärungen
im Rahmen des Öko-Audits vorgelegt haben, wurden schrittweise auch
Arbeiten veröffentlicht, bei denen sich Unternehmen am Leitbild
der Nachhaltigkeit messen. Loew (o.J.) schätzt ein, dass unter
den großen Unternehmen weltweit die Nachhaltigkeitsberichte inzwischen
weiter verbreitet sind als die reinen Umweltberichte.
Unternehmen und Nachhaltigkeit?
Unternehmen haben gute Gründen, eigene Schritte zur Umsetzung des
Nachhaltigkeitsleitbildes zu gehen, und zwar nicht nur, weil sie in der
Agenda 21 ausdrücklich als wichtige Gruppe mit aufgeführt sind
(Agenda 21, Kapitel 30):
Ein Blick ins Wörterbuch: Share
= Anteilsrecht an einer Kapitalgesellschaft Shareholder
= Anteilseigner Stakeholder = andere Anspruchsgruppen wie
z.B. Mitarbeiter, Nachbarn |
- Unternehmen, die ökologischen Raubbau oder brutale Ausbeutung
betreiben, setzen sich der Gefahr massiver öffentlicher Kritik
der Stakeholder - vor allem von NGOs und Medien - aus. Internationale
Kampagnen, z.B. gegen Kinderarbeit oder anlässlich der geplanten
Versenkung der Ölplattform "Brent Spar", weisen die Unternehmen
dringend darauf hin, dass es auch in ihrem eigenen Interesse liegt,
umfassend Verantwortung für die eigenen Tätigkeiten zu übernehmen.
Dies gilt insbesondere für global operierende Unternehmen!
- Konsumenten suchen Sicherheit und Vertrauen in Marken und Labels;
Kunden, die sich Markenprodukte leisten, erwarten in der Regel stillschweigend,
dass diese auch ökologisch bzw. ethisch "sauber" sind.
- Bei der Umsetzung ökologischer Maßnahmen im Betrieb
zeigt es sich oftmals, dass die soziale Seite mit berücksichtigt
werden muss (sozial bedingte Umsetzungshemmnisse bzw. soziale Voraussetzungen)
- Auf den Finanzmärkten werden Zukunftserwartungen gehandelt.
Sustainability Leader, die mehr als nur ökonomische Zukunftsfähigkeit
glaubhaft machen können, werden dabei honoriert. Der Dow Jones
Sustainability Group Index (www.sustainability-indexes.com/) hat
eine überlegene Wertentwicklung.
Nachhaltigkeitsbericht und nachhaltige Unternehmensentwicklung
Mit ihren Nachhaltigkeitsberichten wollen Unternehmen die Bereitschaft
zu gesellschaftlicher Verantwortung und zur Mitarbeit an der Lösung
globaler Probleme kommunizieren. Unternehmen, das sich auf die Herausforderung
"Nachhaltigkeit" einlassen, müssen eine Balance zwischen
ökologischen, ökonomischen und sozialen Zielen (im Unternehmen
und mit Blick auf die Gesellschaft) erarbeiten. Dabei müssen neben
den Verknüpfungen vor allem auch die Widersprüche (Zielkonflikte)
zwischen den Nachhaltigkeitsdimensionen wahrgenommen und gelöst werden.
Es gilt, ein Management aufzubauen, das es erlaubt, nachhaltigkeitsrelevante
Faktoren in das Unternehmen zu integrieren und zu managen.
Nachhaltigkeitsberichte sind Bestandteil des hierzu erforderlichen langfristigen
Lern- und Entwicklungsprozesses des gesamten Unternehmens und ein Instrument
für den Dialog zwischen Unternehmen und Gesellschaft (Stakeholdern).
Sie können nicht als "Fertigprodukte" in der Marketingabteilung
entstehen!
| Erfahrungen aus dem Öko-Audit
Bereits bei den ersten Öko-Audits nach dem Europäischen
EMAS-System enthielten knapp 12% der Umwelterklärungen explizite
den Handlungsgrundsatz Sustainable Development, bei 3% konnte dieser
abgeleitet werden (Umweltbundesamt 1998).
Mit der Umwelterklärung hatten sich Unternehmen eine Imageverbesserung,
einen intensiveren Dialog mit den Stakeholdern und eine intensivere
Kooperation mit Behörden erhofft, gleichzeitig eine erhöhte
Glaubwürdigkeit gegenüber Marktpartnern (wie Kunden, Lieferanden,
Dienstleistern). Diese Erwartungen blieben jedoch weitgehend unerfüllt.
Der real erzielte Nutzen liegt überwiegend in der internen
Kommunikation / Motivation der Mitarbeiter, die anderen für
die Unternehmen wichtigen Zielgruppen haben die Umwelterklärungen
oft gar nicht wahrgenommen (beim Unternehmen abgerufen).
Mit EMAS II müssen die Unternehmen auch die Umweltauswirkungen
ihrer Produkte mit einbeziehen. |
Die in den Nachhaltigkeitsberichten veröffentlichten Informationen
werden im Rahmen von Nachhaltigkeits-Audits erhoben, für welche
es aber bislang - im Gegensatz zum Öko-Audit - keine verbindlichen
Standards gibt. Säulen der Nachhaltigkeitsaudits sind:
- Öko-Audit
- Sozial-Audit
- Produkt-Audit
Besonders die soziale Seite ist dabei problematisch, weil soziale
Fragen nur sehr begrenzt mit standardisierten Verfahren zu erfassen sind.
Schon in den 70er Jahren sind in der Bundesrepublik Deutschland Versuche,
Sozialbilanzen zu standardisieren, gescheitert. Es gilt daher, die Subjektivität
und Kontextbezogenheit der sozialen Aspekte in das Audit-System einzubauen.
Als Lösung bietet sich ein Konsultationsprozess mit den Stakeholdern
an. Hier müssen harte Daten durch subjektive Einschätzungen
ergänzt werden (z.B. Mitarbeiter-Krankenstand versus Wohlfühlen
am Arbeitsplatz).
Zur Vertiefung siehe die Seite zu Nachhaltigkeits-Indikatoren.
Wer arbeitet an Nachhaltigkeitsberichten?
Internationale Initiativen
- Die Global Reporting Initiative (GRI) ist die weltweit wichtigste
derartige Initiative; sie verfolgt das Ziel, die Nachhaltigkeitsberichterstattung
auf das gleiche Niveau wie die Finanzberichterstattung zu bringen.
Dazu wurde in einem offenen Kommunikationsprozess ein sehr detaillierter "Standard"
erarbeitet. www.globalreporting.org/.
- Förderlich für die Entwicklung von Nachhaltigkeitsberichten
ist zudem die die zunehmende Bedeutung ethischer
(auch ökologischer) Finanzanlagen (Socially
Responsible Investments, SRI, vgl. z.B. Dow Jones
Sustainability Group Index www.sustainability-indexes.com/).
Hierfür werden Unternehmen hinsichtlich ihrer Leistungen im Umweltschutz
und im Sozialen bewertet; die von den Unternehmen veröffentlichten
Nachhaltigkeitsberichte sind dafür eine Grundlage.
- Das WBCSD World Buisiness Council for Sustainable Development
hat u.a. Arbeiten zu Öko-Effizienz von Produkten bzw. Dienstleistungen
vorgelegt. Öko-Effizienz wird hierbei als Verhältnis von Wert
zu Umwelteinwirkung angesehen.
- Das ICC Buisiness Charter für Sustainable Development
hat 16 Management-Grundsätze für nachhaltiges Wirtschaften
entwickelt (Details waren bis 2004 unter www.henkel.de/nachhaltigkeit
zu finden):
- Wichtiges Unternehmensziel
- Integriertes Management
- Kontinuierliche Verbesserung
- Fortbildung der Mitarbeiter
- Vorabbewertung neuer Projekte
- Produkte und Dienstleistungen
- Kundeninformation und -beratung
- Produktionsverfahren und -anlagen
|
- Forschung
- Vorsorgeprinzip
- Vertragspartner und Lieferanden
- Notfall-Management
- Technologietransfer
- Unterstützung öffentlicher Initiativen
- Aktiver Dialog
- Verifizierung und Berichterstattung
|
Bundesrepublik Deutschland
- Das IÖW (Institut für ökologische Wirtschaftsforschung
gGmbH) und das imug (Institut für Markt - Umwelt - Gesellschaft
e.V.) haben einen Leitfaden Nachhaltigkeitsberichterstattung
erarbeitet. Dieser ist stark an den Informationsinteressen der Stakeholder
ausgerichtet. Er enthält viele detaillierte Hinweise für Inhalte
und Gestaltung der Berichte (z.B. Kennzahlen-Vorschläge für
Ökologie, Ökonomie und Soziales). Wie sich diese Kennzahlen
aus dem Leitbild Nachhaltigen Entwicklung ableiten und wie die Kenntnis
der Kennzahlen dem Unternehmen hilft, seine Strategie nachhaltiger auszurichten,
ist nicht immer klar ersichtlich. Beachtenswert ist ein vierter Bereich
"Integrationsleistung", in dem die Unternehmen Zielkonflikte
bzw. Synergien der drei Nachhaltigkeits-Bereiche Ökologie, Ökonomie
und Soziales darstellen sollen. Der Entwicklungsprozess des Unternehmens
sowie das Nachhaltigkeits-Management werden nur kurz gestreift.
- Das Ifeu-Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg
erarbeitet aktuell Qualitätsstandards für Nachhaltigkeitsberichte.
Das Herangehen ist anders als bei IÖW und imug; das ifeu richtet
sich nicht primär an den drei Säulen der Nachhaltigen Entwicklung
aus sondern an den Handlungsfeldern und Strategiebereichen der Unternehmensführung:
- Unternehmen als Transformator von Stoffen und Energien
- Unternehmen als gestaltende Kraft auf dem Markt
- Unternehmen als politische und gesellschaftliche Kraft (z.B. Standortpolitik,
Gestaltung gesellschaftlich-politischer Beziehungen)
- Unternehmen als Lernort (Qualifizierung, Motivation)
- Mehrere Großunternehmen der deutschen Wirtschaft haben das Econsense-Forum
nachhaltige Entwicklung gegründet.
- Vier Wirtschaftsinstitute haben die Idee eines Challenger Reports
vorgelegt, diese beinhaltet eine unabhängige Kommentierung der
Nachhaltigkeitsberichte von Firmen als Bestandteil des Kommunikationsprozesses.
Träger sind das Ifeu-Institut für Energie- und Umweltforschung
Heidelberg, das imug Institut für Markt - Umwelt - Gesellschaft
e.V., das IÖW Institut für ökologische Wirtschaftsforschung
gGmbH und das Öko-Institut e.V.
- Das in Berlin ansässige Institute 4 Sustainability forscht und berät
zu den Themenfeldern CSR, Nachhaltigkeitsberichterstattung und Umweltmanagement.
Beispiele aus Unternehmen
Nachfolgend sollen Nachhaltigkeitsberichte von zwei sehr bekannten deutschen
Unternehmen vorgestellt werden.
Henkel Nachhaltigkeitsbericht 2001
Die Henkel KGaA hat im Jahr 2001 einen Nachhaltigkeitsbericht vorgelegt,
in diesem sind die nachfolgenden Kernaussagen zu finden:
- Im Mittelpunkt der Nachhaltigkeitspolitik stehen Produkte und Innovationen.
- Henkel will sein integriertes Managementsystem für Sicherheit,
Gesundheit, Umweltschutz und Qualität zu einem Management für
Nachhaltigkeit erweitern.
- Sustainable Standards werden aktuell erarbeitet - das Unternehmen
will bis 2004 festlegen, wie es gesellschaftliche Verantwortung bei
seinen geschäftlichen Aktivitäten in allen Teilen der Welt
übernehmen kann bzw. muss. Grundlage sind die bereits bestehenden
Sicherheits-, Gesundheits-, Umwelt- und Qualitätsstandards.
- Henkel verweist auf eine 10jährige erfolgreiche Nachhaltigkeitsarbeit.
Die folgenden Beispiele wurden bewusst so ausgewählt, dass sie
ganz verschiedene Bereiche der Nachhaltigkeits-Verantwortung berühren:
- Umsatz und Gewinn konnten deutlich von Ressourcenverbrauch und
Umweltbelastungen entkoppelt werden (dies belegen Daten seit 1992)
- dazu haben ganz wesentlich neue, "intelligentere" Produkte
beigetragen (z.B. Wasch- und Spülmittel-Konzentrate).
- Der Konzern legt eine Übersicht seiner Standorte in allen
Teilen der Welt vor und gibt dabei jeweils an, welche Standorte
nach ISO 14001 bzw. EMAS zertifiziert ist, ein SHE-Audit absolviert
hat, Ziele veröffentlicht hat bzw. mit Standortportrait im
Internet zu finden ist. Ferner wird angegeben, welche der Standorte
in die Konzerndaten mit einbezogen wurde.
- Henkel hat in Deutschland mit zwei Plakataktionen klar Stellung
gegen Ausländerfeindlichkeit bezogen ("Wer ist in einem
Weltkonzern Ausländer? Niemand!").
- Das Kennzahlensystem von Henkel orientiert sich an dem System des
europäischen Chemieverbandes CEFIC; es enthält folgende Kennzahlen:
- Erhebungsumfang der Konzerndatenerfassung (Standorte sowie
Anteil an der Gesamtproduktion)
- Arbeitsunfälle pro 200.000 Arbeitsstunden
- schwere Arbeitsunfälle
- Beschwerden aus der Nachbarschaft
- Produktionsmengen
- Energiebedarf
- Kohlendioxid-Emissionen
|
- Stickoxid-Emissionen
- Schwefeldioxid-Emissionen
- Staub-Emissionen
- Emissionen flüchtiger organischer Verbindungen
- Wasserbedarf und Abwassermenge
- CSB-Emissionen in Gewässer
- Schwermetall-Emissionen in Gewässer
- Abfälle zur Wiederverwertung und Beseitigung
- Verbrauch von Chlorwasserstoffen
|
- Henkel bekennt sich zu den 16 Management-Grundsätzen für
nachhaltiges Wirtschaften des ICC Buisiness Charter für Sustainable
Development. Diese werden nach eigener Einschätzung zunehmend besser
verwirklicht.
- Die Unternehmensleistungen zur nachhaltigen Entwicklung steigern langfristig
den Unternehmenswert (Sharholder Value).
Nicht bei allen Punkten des Berichtes ist der Nachhaltigkeitsbezug sofort
offensichtlich, z.B. "Zielorientiert führen und vergüten".
Bei den Kenndaten dominieren derzeit noch Umwelt und Sicherheit.
Detaillierte Informationen und Quelle für die oben angegebenen Informationen:
www.henkel.de/nachhaltigkeit (inzwischen nicht mehr online)
Neue Website Nachhaltigkeit bei Henkel: www.henkel.de/cps/rde/xchg/henkel_de/hs.xsl/10137_DED_HTML.htm
| "Nachhaltigkeitsbericht - ein Medium erfolgreicher
Unternehmenskommunikation" (OTTO) |
OTTO
Das weltgrößte Versandunternehmen vermittelt mit seinem Nachhaltigkeitsbericht
u.a. folgende Botschaften:
| Ökologische Leistungen
- Umweltmanagementsystem nach ISO 14001
- Marktführerschaft im Angebot ökologisch optimierter
Textilien: 70% nach Öko - Standard 100; 1000 t kbA-Baumwolle
(kontrolliert biologischer Anbau)
- Marktführerschaft im Angebot von FSC-zertifizierten Vollholzmöbeln
(Forest Stewardship Council)
- Reduktion der transportbedingten CO2-Emissionen
um 46 % gegenüber 1993 insbesondere durch Verlagerungskonzepte
|
Soziale Leistungen
- Sozialqualifizierungs - und Auditierungsprogramm für Textillieferanten
Asiens und Europa, Beteiligung an der Zertifizierungsinitiative
Social Accountability 8000 (SA
8000)
- Unterstützung von Rugmark und Gepa (fairer Handel) durch
entsprechende Sortimentsangebote
- Kooperationsprojekte mit der GTZ (Gesellschaft für technische
Zusammenarbeit) in Indien und China im Rahmen der "Public
Private Partnership"
- Mitarbeiterbezogene freiwillige Sozialleistungen
|
OTTO hat einen längeren Entwicklungsprozess bis zur Nachhaltigkeitsberichterstattung
in der heute vorliegenden Form gemacht. Diese Entwicklung ist (noch) nicht
abgeschlossen!
| 1989 |
Erstes "Grundsatzpapier" für die
Medien |
| 1992 |
Broschüre "Otto Versand und Umweltschutz"
in zeitgemäßem Layout und mit generalistischem Inhalt |
| 1996 |
Erster Umweltbericht in der Öko-Audit-Systematik
(EMAS) |
| 1998 |
Umweltbericht und Umwelterklärung im Rahmen der
ISO -14001 Zertifizierung |
| 2000 |
Report "Nachhaltigkeitsbericht bei Otto".
Der bisherige Umweltbericht wird um die Aspekte Sozialverantwortung
und Sozialleistung erweitert. Es sollen nicht nur Fachleute angesprochen
werden, sondern ausdrücklich auch Kunden und Mitarbeiter. Daher
wird eine Trennung in ein informatives & unterhaltsames Magazin
sowie einen Daten- und Fakten-Teil vorgenommen. |
| 2003 |
Ausblick: Report "Wertemanagement
bei Otto"? Ganzheitliche Wahrnehmung und Kommunikation gesellschaftlicher
Verantwortung
- Beibehaltung der kommunikativen Gestaltungselemente
- Ergänzung der Themen Umwelt und Soziales um
- Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz
- Volunteering
- Diversitymanagement
- Philanthropie
- Corporate Governance
- Antikorruption und
- Changemanagement
|
Ranking Nachhaltigkeitsberichte
Das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung hat in den
vergangenen Jahren mehrfach die Nachhaltigkeitsberichte
der 150 größten
deutschen Unternehmen unter die Lupe genommen. Der Bericht unseres
Partners Henkel ist im Jahr 2005 als bester der untersuchten Berichte
bewertet worden. Herzlichen Glückwunsch zu diesem erfreulichen Ergebnis!
Für unsere Diskussion, wie denn Nachhaltigkeit gemessen werden
kann, sind die Bewertungskriterien interessant. Unter der Internet-Adresse
www.ranking-nachhaltigkeitsberichte.de/
kommen Sie auf die entsprechende Seiten des IÖW und können dort
PDF-Dateien mit den Bewertungskriterien bzw. mit den Ergebnissen des Rankings
2005 downloaden.
Das Ranking 2007 erbrachte folgende TOP-TEN:
1. OTTO
2. RWE
3. BASF
4. KarstadtQuelle (Arcandor)
5. WestLB
6. Wacker Chemie
7. Bayer
8. Axel Springer
9. Volkswagen
10. BMW
10. HochTief
Fragen und Grenzen
Die Nachhaltigkeitsberichte dokumentieren ernsthafte Bemühungen
von Unternehmen, gesellschaftliche Verantwortung wahrzunehmen. Wenn sich
eine Schule mit Umweltschutz, Umweltpolitik und nachhaltiger Entwicklung
oder z.B. auch mit Ökonomie befasst, lohnt es sich, auch einmal solche
Berichte einzubeziehen. Bei aufmerksamer und kritischer Lektüre stellen
sich viele Fragen zu den Inhalten des Berichts - aber vielleicht auch
zu den Punkten, die nicht behandelt werden. Dabei könnten
Fragen auftauchen wie z.B.:
- Ist eine nachhaltige Entwicklung mit einem unbegrenzten Wirtschaftswachstum
vereinbar? Und wie gehen die Unternehmen mit dieser Frage um?
- Die Unternehmen, die sich im Sinne der Nachhaltigkeit engagieren,
handeln (auch) in wohlverstandenem Eigennutz. Kann/sollte das ein Motor
für die nachhaltige Entwicklung sein oder stellt das die Aufrichtigkeit
und den Sinn des Engagements grundsätzlich in Frage?
- Wie ist das Nachhaltigkeits-Engagement von Unternehmen zu bewerten,
deren Produkte, wie z.B. Autos, aus Umweltsicht kritisch sind? Wie gehen
die Unternehmen mit dieser Diskrepanz um?
- Was haben die Unternehmen auf der sozialen Seite geleistet und wie
wird darüber berichtet (z.B. Arbeitsbedingungen in Niederlassungen
in anderen Ländern)?
- Wie groß ist die Zahl der Unternehmen, die hier aktiv sind und
wie entwickelt sich das? Welche Schlussfolgerungen ergeben sich evtl.
für Konsumenten oder Nichtregierungsorganisationen, die sich für
eine nachhaltige Entwicklung einsetzen?
Schlussfolgerungen für Schulen
Neben der Auseinandersetzung mit den Motiven und Inhalten der nachhaltigen
Entwicklung von Unternehmen (siehe oben) können Schulen einige
weitere Schlussfolgerungen ziehen:
- Entwicklung weiter verfolgen: Es gibt derzeit noch keine Standards
für eine Nachhaltigkeitsberichterstattung, die so weit fertig für
die Übertragung in das Schulsystem wären wie seinerzeit EMAS.
Insbesondere aus der Global Reporting Initiative (GRI), aber auch aus
den weiter oben skizzierten bundesdeutschen Pilotprojekten sind für
Schulen interessante Ergebnisse zu erwarten.
- Mut zu kleinen Schritten! Keines der großen Unternehmen
hat aus dem Stand einen Nachhaltigkeitsbericht vorgelegt; diese Berichte
hatten stets eine Vorgeschichte, die oft bis in die Anfänge des
Umwelt- bzw. Qualitätsmanagements zurückreicht und dann einige
Jahrzehnte gedauert hat. Nicht nur für Unternehmen, auch für
Schulen gilt: Die Entwicklung ist das Ziel; und diese kann auch aus
vielen kleinen Schritten bestehen (z.B. zu Beginn nur wenige Bereiche
auditieren).
- Nachhaltige Beliebigkeit vermeiden! Ein Unternehmen oder eine
Schule auf die nachhaltige Entwicklung auszurichten, erfordert eine
Leitbilddiskussion. Dabei müssen die relevante Aspekte identifiziert
und von den Akteuren anerkannt werden. Beim Öko-Audit wurden, zumindest
in den Anfängen der jeweiligen Prozesse, Leitziele (z.B. "Energie
sparen") oft stillschweigend als Konsens angenommen - und das hat
auch oft funktioniert. Bei sozialen Fragen wird ein solcher stillschweigender
Konsens nicht zu erzielen sein! Zudem sollte für die einzelnen
als relevant angesehenen Aspekte der konkrete Nachhaltigkeitsbezug klar
herausgearbeitet werden, denn nicht jedes ökonomische- oder soziale
Thema ist stark nachhaltigkeitsrelevant! Wer hier nicht sinnvoll eingrenzt,
gelangt rasch dazu, absolut alle Aspekte des Schulbetriebs als nachhaltigkeitsrelevant
anzusehen und untersuchen zu müssen. Statt dessen sollten begründete
Prioritäten gesetzt werden!
Quellen
- Ellen Frings: Glaubwürdigkeit entscheidet. In: punkt.um 2 (2002)
6
- Ellen Frings: Vom Umwelt- zum Nachhaltigkeitsbericht. www.ifeu.de/entw/pdf/Nachhaltig_Bericht_ifeu.pdf
(zuletzt überprüft 2003 - Link ist nicht mehr aktiv)
- Umweltbundesamt (Hrsg.): Umweltmanagement in der Praxis. Texte 20/98
sowie 52/98. Berlin, 1998
- Henkel KGaA, Düsseldorf R&D Communications (Hrsg.): Nachhaltigkeitsbericht
2001, Düsseldorf, 2002
- www.nachhaltigkeitsberichte.net/
- Claudia Empacher, Alexandra Lux, Thomas Kluge: Das Nachhaltigkeits-Audit
als Instrument für nachhaltiges Wirtschaften. In: UmweltWirtschaftsForum
9 (2001)
- IÖW Institut für ökologische Wirtschaftsforschung gGmbH,
imug Institut für Markt - Umwelt - Gesellschaft e.V.,
Öko-Institut e.V., Ifeu-Institut
für Energie- und Umweltforschung Heidelberg in Kooperation mit
Henkel KGaA: Tagung "Perspektiven der Nachhaltigkeitsberichterstattung:
Inhalte, Formen, Nutzen" (2001): Dokumentation. www.nachhaltigkeitsberichte.net/v_programm.html
- Jens Clausen, Thomas Loew, Kathrin Klaffke, Michaela Raupach, Ingo
Schoenheit: Der Nachhaltigkeitsbericht. Ein Leitfaden zur Praxis glaubwürdiger
Kommunikation für zukunftsfähige Unternehmen. Hrsg: IÖW
Institut für ökologische Wirtschaftsforschung gGmbH, imug
Institut für Markt - Umwelt - Gesellschaft e.V., Berlin, 2001.
http://www.nachhaltigkeitsberichte.net/img_neu/NachhBer.pdf
- Ifeu-Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg www.ifeu.de/
- imug Institut für Markt - Umwelt - Gesellschaft e.V. www.imug.de/
- IÖW Institut für ökologische Wirtschaftsforschung
gGmbH www.ioew.de/
- Öko-Institut e.V. www.oeko.de/
- Institute 4 Sustainability: www.4sustainability.org/
- Thomas Loew (o.J.): Nachhaltigkeitsberichterstattung. Online-Dokument,
URL:
www.4sustainability.org/seiten/nachhaltigkeit-entwicklung.htm;
zuletzt überprüft.9.5.2008
Weiterführende Informationen:
- Umweltschutz bzw. Nachhaltigkeit im Unternehmen: Zeitschrift Unternehmen
& Umwelt (ist dort immer wieder Schwerpunktthema)
Tilman Langner im Auftrag der Landeshauptstadt Düsseldorf