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Das Düsseldorfer Netzwerk ist offizielles Projekt

Offizielles Projekt der Unesco-Dekade Bildung fuer nachhaltige Entwicklung

Nachhaltig wirtschaften, nachhaltig reden - oder beides?

Nachhaltigkeitsberichterstattung in Unternehmen

Gliederung

  1. Unternehmen und Nachhaltigkeit?
  2. Nachhaltigkeitsbericht und nachhaltige Unternehmensentwicklung
  3. Wer arbeitet an Nachhaltigkeitsberichten?
  4. Ranking Nachhaltigkeitsberichte
  5. Fragen und Grenzen
  6. Schlussfolgerungen für Schulen
  7. Quellen

Das Leitbild der nachhaltigen Entwicklung stellt aus Umweltsicht eine Horizontserweiterung in Richtung auf soziale und ökonomische Fragen dar.

Nachdem in den 90er Jahren weltweit einige tausend Unternehmen Umwelterklärungen im Rahmen des Öko-Audits vorgelegt haben, wurden schrittweise auch Arbeiten veröffentlicht, bei denen sich Unternehmen am Leitbild der Nachhaltigkeit messen. Loew (o.J.) schätzt ein, dass unter den großen Unternehmen weltweit die Nachhaltigkeitsberichte inzwischen weiter verbreitet sind als die reinen Umweltberichte.

 

Unternehmen und Nachhaltigkeit?

Unternehmen haben gute Gründen, eigene Schritte zur Umsetzung des Nachhaltigkeitsleitbildes zu gehen, und zwar nicht nur, weil sie in der Agenda 21 ausdrücklich als wichtige Gruppe mit aufgeführt sind (Agenda 21, Kapitel 30):

Ein Blick ins Wörterbuch:
Share = Anteilsrecht an einer Kapitalgesellschaft
Shareholder = Anteilseigner
Stakeholder = andere Anspruchsgruppen wie z.B. Mitarbeiter, Nachbarn

Nachhaltigkeitsbericht und nachhaltige Unternehmensentwicklung

Mit ihren Nachhaltigkeitsberichten wollen Unternehmen die Bereitschaft zu gesellschaftlicher Verantwortung und zur Mitarbeit an der Lösung globaler Probleme kommunizieren. Unternehmen, das sich auf die Herausforderung "Nachhaltigkeit" einlassen, müssen eine Balance zwischen ökologischen, ökonomischen und sozialen Zielen (im Unternehmen und mit Blick auf die Gesellschaft) erarbeiten. Dabei müssen neben den Verknüpfungen vor allem auch die Widersprüche (Zielkonflikte) zwischen den Nachhaltigkeitsdimensionen wahrgenommen und gelöst werden. Es gilt, ein Management aufzubauen, das es erlaubt, nachhaltigkeitsrelevante Faktoren in das Unternehmen zu integrieren und zu managen.

Nachhaltigkeitsberichte sind Bestandteil des hierzu erforderlichen langfristigen Lern- und Entwicklungsprozesses des gesamten Unternehmens und ein Instrument für den Dialog zwischen Unternehmen und Gesellschaft (Stakeholdern). Sie können nicht als "Fertigprodukte" in der Marketingabteilung entstehen!

Erfahrungen aus dem Öko-Audit

Bereits bei den ersten Öko-Audits nach dem Europäischen EMAS-System enthielten knapp 12% der Umwelterklärungen explizite den Handlungsgrundsatz Sustainable Development, bei 3% konnte dieser abgeleitet werden (Umweltbundesamt 1998).

Mit der Umwelterklärung hatten sich Unternehmen eine Imageverbesserung, einen intensiveren Dialog mit den Stakeholdern und eine intensivere Kooperation mit Behörden erhofft, gleichzeitig eine erhöhte Glaubwürdigkeit gegenüber Marktpartnern (wie Kunden, Lieferanden, Dienstleistern). Diese Erwartungen blieben jedoch weitgehend unerfüllt. Der real erzielte Nutzen liegt überwiegend in der internen Kommunikation / Motivation der Mitarbeiter, die anderen für die Unternehmen wichtigen Zielgruppen haben die Umwelterklärungen oft gar nicht wahrgenommen (beim Unternehmen abgerufen).

Mit EMAS II müssen die Unternehmen auch die Umweltauswirkungen ihrer Produkte mit einbeziehen.

Die in den Nachhaltigkeitsberichten veröffentlichten Informationen werden im Rahmen von Nachhaltigkeits-Audits erhoben, für welche es aber bislang - im Gegensatz zum Öko-Audit - keine verbindlichen Standards gibt. Säulen der Nachhaltigkeitsaudits sind:

Besonders die soziale Seite ist dabei problematisch, weil soziale Fragen nur sehr begrenzt mit standardisierten Verfahren zu erfassen sind. Schon in den 70er Jahren sind in der Bundesrepublik Deutschland Versuche, Sozialbilanzen zu standardisieren, gescheitert. Es gilt daher, die Subjektivität und Kontextbezogenheit der sozialen Aspekte in das Audit-System einzubauen. Als Lösung bietet sich ein Konsultationsprozess mit den Stakeholdern an. Hier müssen harte Daten durch subjektive Einschätzungen ergänzt werden (z.B. Mitarbeiter-Krankenstand versus Wohlfühlen am Arbeitsplatz).

Zur Vertiefung siehe die Seite zu Nachhaltigkeits-Indikatoren.

Wer arbeitet an Nachhaltigkeitsberichten?

Internationale Initiativen

Bundesrepublik Deutschland

Beispiele aus Unternehmen

Nachfolgend sollen Nachhaltigkeitsberichte von zwei sehr bekannten deutschen Unternehmen vorgestellt werden.

Henkel Nachhaltigkeitsbericht 2001

Die Henkel KGaA hat im Jahr 2001 einen Nachhaltigkeitsbericht vorgelegt, in diesem sind die nachfolgenden Kernaussagen zu finden:

Nicht bei allen Punkten des Berichtes ist der Nachhaltigkeitsbezug sofort offensichtlich, z.B. "Zielorientiert führen und vergüten". Bei den Kenndaten dominieren derzeit noch Umwelt und Sicherheit.

Detaillierte Informationen und Quelle für die oben angegebenen Informationen: www.henkel.de/nachhaltigkeit (inzwischen nicht mehr online)

Neue Website Nachhaltigkeit bei Henkel: www.henkel.de/cps/rde/xchg/henkel_de/hs.xsl/10137_DED_HTML.htm

"Nachhaltigkeitsbericht - ein Medium erfolgreicher Unternehmenskommunikation" (OTTO)

OTTO

Das weltgrößte Versandunternehmen vermittelt mit seinem Nachhaltigkeitsbericht u.a. folgende Botschaften:

Ökologische Leistungen

  • Umweltmanagementsystem nach ISO 14001
  • Marktführerschaft im Angebot ökologisch optimierter Textilien: 70% nach Öko - Standard 100; 1000 t kbA-Baumwolle (kontrolliert biologischer Anbau)
  • Marktführerschaft im Angebot von FSC-zertifizierten Vollholzmöbeln (Forest Stewardship Council)
  • Reduktion der transportbedingten CO2-Emissionen um 46 % gegenüber 1993 insbesondere durch Verlagerungskonzepte

Soziale Leistungen

  • Sozialqualifizierungs - und Auditierungsprogramm für Textillieferanten Asiens und Europa, Beteiligung an der Zertifizierungsinitiative Social Accountability 8000 (SA
    8000)
  • Unterstützung von Rugmark und Gepa (fairer Handel) durch entsprechende Sortimentsangebote
  • Kooperationsprojekte mit der GTZ (Gesellschaft für technische Zusammenarbeit) in Indien und China im Rahmen der "Public Private Partnership"
  • Mitarbeiterbezogene freiwillige Sozialleistungen

OTTO hat einen längeren Entwicklungsprozess bis zur Nachhaltigkeitsberichterstattung in der heute vorliegenden Form gemacht. Diese Entwicklung ist (noch) nicht abgeschlossen!

1989 Erstes "Grundsatzpapier" für die Medien
1992 Broschüre "Otto Versand und Umweltschutz" in zeitgemäßem Layout und mit generalistischem Inhalt
1996 Erster Umweltbericht in der Öko-Audit-Systematik (EMAS)
1998 Umweltbericht und Umwelterklärung im Rahmen der ISO -14001 Zertifizierung
2000 Report "Nachhaltigkeitsbericht bei Otto". Der bisherige Umweltbericht wird um die Aspekte Sozialverantwortung und Sozialleistung erweitert. Es sollen nicht nur Fachleute angesprochen werden, sondern ausdrücklich auch Kunden und Mitarbeiter. Daher wird eine Trennung in ein informatives & unterhaltsames Magazin sowie einen Daten- und Fakten-Teil vorgenommen.
2003 Ausblick: Report "Wertemanagement bei Otto"? Ganzheitliche Wahrnehmung und Kommunikation gesellschaftlicher Verantwortung
  • Beibehaltung der kommunikativen Gestaltungselemente
  • Ergänzung der Themen Umwelt und Soziales um
    - Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz
    - Volunteering
    - Diversitymanagement
    - Philanthropie
    - Corporate Governance
    - Antikorruption und
    - Changemanagement

Ranking Nachhaltigkeitsberichte

Das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung hat in den vergangenen Jahren mehrfach die Nachhaltigkeitsberichte der 150 größten deutschen Unternehmen unter die Lupe genommen. Der Bericht unseres Partners Henkel ist im Jahr 2005 als bester der untersuchten Berichte bewertet worden. Herzlichen Glückwunsch zu diesem erfreulichen Ergebnis!

Für unsere Diskussion, wie denn Nachhaltigkeit gemessen werden kann, sind die Bewertungskriterien interessant. Unter der Internet-Adresse www.ranking-nachhaltigkeitsberichte.de/ kommen Sie auf die entsprechende Seiten des IÖW und können dort PDF-Dateien mit den Bewertungskriterien bzw. mit den Ergebnissen des Rankings 2005 downloaden.

Das Ranking 2007 erbrachte folgende TOP-TEN:

1. OTTO
2. RWE
3. BASF
4. KarstadtQuelle (Arcandor)
5. WestLB
6. Wacker Chemie
7. Bayer
8. Axel Springer
9. Volkswagen
10. BMW
10. HochTief

Fragen und Grenzen

Die Nachhaltigkeitsberichte dokumentieren ernsthafte Bemühungen von Unternehmen, gesellschaftliche Verantwortung wahrzunehmen. Wenn sich eine Schule mit Umweltschutz, Umweltpolitik und nachhaltiger Entwicklung oder z.B. auch mit Ökonomie befasst, lohnt es sich, auch einmal solche Berichte einzubeziehen. Bei aufmerksamer und kritischer Lektüre stellen sich viele Fragen zu den Inhalten des Berichts - aber vielleicht auch zu den Punkten, die nicht behandelt werden. Dabei könnten Fragen auftauchen wie z.B.:

Schlussfolgerungen für Schulen

Neben der Auseinandersetzung mit den Motiven und Inhalten der nachhaltigen Entwicklung von Unternehmen (siehe oben) können Schulen einige weitere Schlussfolgerungen ziehen:

Quellen

Weiterführende Informationen:

 

Tilman Langner im Auftrag der Landeshauptstadt Düsseldorf