Ein neuer schöner Schein?
Validierung, Rating, Benchmarking
Wer sich heute für Umweltschutz und nachhaltige Entwicklung in
der Wirtschaft interessiert, trifft früher oder später auf Vokabeln
wie Validierung, Rating, Ranking oder Benchmarking. Was verbirgt sich
dahinter, was wird den Unternehmen damit bescheinigt und vor allem: Zieht
damit tatsächlich die Nachhaltigkeit in die Unternehmen ein?
Bei allen genannten Instrumenten werden Unternehmen (bzw. ihre Leistungen)
durch unabhängige und neutrale Dritte bewertet. Dabei muss es gar
nicht um den Umweltschutz gehen; beim klassischen Finanz-Rating wird die
Bonität von Unternehmen geprüft - also Aspekte wie die Liquidität,
die Ertragskraft, der Verschuldungsgrad,... - und die Ergebnisse helfen
Kapitalanlegern bei ihren Investitionsentscheidungen.
Diese Bewertungen können jedoch auch unter Umwelt- oder Nachhaltigkeitsgesichtspunkten
erfolgen. Einige Beispiele sollen nachfolgend vorgestellt werden.
Vergleich von Unternehmen
Umwelt-Rating
Bei den hier zur Debatte stehenden Bewertungsverfahren (Rating, Benchmarking)
werden die Unternehmensleistungen im Umweltschutz bzw. in anderen Bereichen
der nachhaltigen Entwicklung bewertet. Diese Bewertung zielt auf einen
objektiven Vergleich, d.h. es wird eine Rangliste der Unternehmen
gebildet, sinnvollerweise geschieht das zwischen Unternehmen, die derselben
Branche zugehören und somit auch an gleichen Maßstäben
gemessen werden können.
Die oekom research AG (Sitz in München) hat auf ihrer Homepage www.oekom.de/
die Grundzüge ihres Vorgehens beschrieben. Ein Rating läuft
demnach in drei Schritten ab:
- Festlegung der für die Branche relevanten Untersuchungs-Tatbestände;
beim Umwelt-Rating sind dies insbesondere:
- Umweltmanagement (Unternehmensleitbild und Ziele, Umweltprogramm,
Ökobilanz etc.),
- Produkte und Dienstleistungen (insbesondere ökologische Entwicklungen
wie langlebige Produkte oder die Vermeidung ökologisch bedenklicher
Stoffe) sowie
- betriebliche Umweltkennzahlen, die Aufschluss über die Öko-Effizienz
geben (z.B. Energie- und Wasserverbrauch, Emissionen)
- Datenerhebung - teils durch Befragung der Unternehmung, teils
durch Auswertung anderer Quellen
- Bewertung, SOLL-IST-Vergleich auf Basis eines definierten
ökologischen SOLL-Zustandes. Dabei wird z.B. die Relevanz der Bereiche
Produktion versus Produkte (bzw. Dienstleistungen) von Branche zu Branche
unterschiedlich gewichtet, so gehen z.B. in der Automobilindustrie die
Produkte (bzw. Maßnahmen zur ökologischen Produktentwicklung)
mit 65% Gewichtung in das Ergebnis ein; bei der Textilindustrie kommen
die Umweltauswirkungen überwiegend aus der Produktion, und entsprechend
gehen die Produkte nur mit 35% Gewichtung in das Ergebnis ein. Als Ergebnis
der Bewertung gliedert oekom research die Unternehmen auf einer 12stufigen
Skale (von A+ für ein im Rahmen der Branche insgesamt besonders
progessives Umweltverhalten bis D- für Unternehmen, die sich nur
an den gesetzlichen Anforderungen orientieren und darüber hinaus
keinerlei Umweltengagement zeigen) ein.
Beispiel: Umwelt-Rating der Automobilindustrie
Ende 1999 veröffentlichte die oekom research AG Ergebisse eines
Umwelt-Ratings von 15 Automobilherstellern aus sechs Ländern (Reinhard,
1999). Auf der 12stufigen Skala erreichte die Branche im Durchschnitt
nur ein C-. An der Spitze lagen Audi, Volkswagen und Fiat (jeweils C+),
am Ende Mazda und Honda (jeweils D).
Punkten konnten die Automobilkonzerne, die daran arbeiten, den Spritverbrauch
ihrer Fahrzeugflotte zu reduzieren. So führte der Lupo 3L TDI des
Rating-Siegers VW aufgrund seines geringen Kraftstoffverbrauchs zeitgleich
die Auto-Umweltliste des VCD an. Auch die Entwicklung alternativer Antriebstechnologien
- Gas-, Elektro- bzw. Hybridmotoren oder Brennstoffzellen - wurde honoriert.
Dennoch kritisierten die oekom-Experten in Übereinstimmung mit Umweltverbänden,
dass diese hoffnungsvollen Entwicklungsschritte in der Branche noch immer
von gegenläufigen Tendenzen - immer größeren, schwereren
und leistungsstärkeren Fahrzeugen sowie auch einer steten Zunahme
der Fahrleistungen - überlagert werden.
Auch der Umweltschutz bei der Produktion wurde einbezogen; im Bereich
Umweltmanagement zeigten Audi und BMW die besten Leistungen.
Weitere Rating-Verfahren
Beispiele hierfür sind (Quelle u.a.: www.henkel.de/nachhaltigkeit
- inzwischen nicht mehr aktiv):
- Hamburger Umweltinstitut, Hamburg - Umweltranking der Chemieindustrie,
zuletzt 1999
- Institut für Markt, Umwelt, Gesellschaft, Hannover: Sozial-ökologischer
Unternehmenstest, 1997
- Dow Jones, Princeton / SAM, Zürich: Sustainability Index, zuletzt
2001
- United Bank of Swizerland, Zürich: Eco Performance Rating, zuletzt
2001
- Bank Sarasin, Basel: Nachhaltigkeitsprofil, 2000
- Sustainability Indexes - Member of Dow Jones
- FTSE4Good (Ethikindex der Londoner Börse)
- Country-Rating: Die oekom research AG hat 30 OECD-Staaten sowie Russland
nach 130 ökologischen und sozialen Indikatoren untersucht (u.a.
Energieverbrauch, Abfallaufkommen, Emissionen der Volkswirtschaften,
Frischwasserressourcen, Bildungs- und Gesundheitssystem, politisches
System, Menschenrechte). Die skandinavischen Länder belegten die
vorderen Plätze, die USA und Deutschland lagen im Mittelfeld, Russland
war das Schlusslicht. Verarbeitet wurden u.a. Daten von OECD, UN, WHO
bzw. amnesty international. Das Rating sollte Entscheidungsgrundlagen
für insitutionelle Anleger, die "nachhaltig" in Staatsanleihen
investieren wollen, liefern.
- Corporate Responsibility Rating (oekom research AG), z.B. Produktion
- Umwelt, Produkte - Umwelt, Sozialstandards (im Stammland / in Ausländern),
innerhalb einer Branche, auch branchenübergreifende Erkenntnisse,
z.B. Chemieindustrie relativ wenig Arbeitsunfälle mit Personenschäden.
www.oekom.de/
- imug: Das Forschungsprojekt "Investorenentscheidungen als Determinanten
einer nachhaltigen Unternehmensführung" (gefördert vom
BMBF) soll einen Beitrag dazu leisten, den entstehenden Markt für
ethisch-ökologische Geldanlagen in Deutschland weiterzuentwickeln.
Ein Teilaspekt des Projektes ist es, wissenschaftlich vertretbare und
zugleich anwendbare Konzepte für eine Nachhaltigkeitsbewertung
von Unternehmen aus Investorensicht zu entwickeln.
Wer braucht diese Bewertungen und wer finanziert
sie?
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Nutzen von Ratings für das eigene Unternehmen (nach
Haßler und Reinhard, 1997)
- Mitarbeiter,
- Öffentlichkeitsarbeit,
- Banken/Investoren,
- Produktentwicklung
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Die hier vorgestellten Unternehmensvergleiche werden in erster Linie
für Kapitalanleger gemacht. Sie liefern ihnen Informationen und Entscheidungsgrundlagen
für ihre Investitionen. Von den Privatpersonen, die als Kleinanleger
in Aktien investieren, lässt sich eventuell ein geringer Prozentsatz
auch von ideellen Gründen leiten. Für institutionelle Investoren
(Fondsverwalter) geht es jedoch um möglichst hohe und möglichst
sichere Gewinne. Die Umwelt-Ratings geben Anhaltspunkte über die
Zukunftsfähigkeit der Unternehmen und über Risiken wie Kredit-,
Besicherungs- oder Haftungs-Risiken sowie Wertberichtigungen - das sind
im Vergleich zum klassischen Finanz-Rating sehr wertvolle Zusatzinformationen.
Die Ratings werden von den Kunden, den Kapitalanlegern bezahlt - nicht
von den bewerteten Unternehmen; es ist daher glaubwürdig, dass sie
ein unabhängiges und (soweit das im Rahmen der sehr komplexen Materie
möglich ist) objektives Bild liefern.
Zu erwähnen ist, dass auch die Mehrzahl der bewerteten Unternehmen
eigene Nutzeffekte sieht (Kasten oben).
Prüfung der Normenkonformität:
Die Validierung beim Öko-Audit
Im Rahmen des Öko-Audits nach der EMAS II-Verordnung spielt die
Validierung eine zentrale Rolle. Hierbei überprüft ein neutraler
und unabhängiger Gutachter die Übereinstimmung des betrieblichen
Umweltmanagements mit den in EMAS II festgelegten Anforderungen. Überprüft
werden insbesondere:
- die erste Umweltprüfung bzw. die Umweltbetriebsprüfung
(angewendete Verfahren / Prüfungsprogramm, Ergebnisse)
- das Umweltmanagementsystem,
- die Umwelterklärung sowie weitere festgelegte Informationen,
die das Unternehmen im Rahmen des Öko-Audits veröffentlichen
muss.
Nach bestandener Validierung kann sich das Unternehmen in ein Register
eintragen lassen, das jeweils auf Ebene der europäischen Staaten
geführt wird. Dieses Register ist öffentlich einsehbar (http://www.diht.de/,
dort nach "Öko-Audit" suchen - Download-Möglichkeit)
und es enthält Namen und Anschriften der am Öko-Audit nach EMAS
beteiligten Unternehmen.
Das Unternehmen erhält das offizielle Prüfsiegel, das es verwenden
darf, um die Öffentlichkeit über die erfolgreiche Teilnahme
am EMAS-System zu informieren.
Wer braucht die Validierung und wer finanziert
sie?
Nutznießer der Validierung ist das Unternehmen, das ein Öko-Audit
durchführt. Die nachfolgende Übersicht nennt zentrale Ziele,
die Unternehmen mit dem Öko-Audit verfolgen (unabhängig davon,
wie realistisch diese Ziele im Einzelnen sind). Es wird deutlich, dass
eine ganze Reihe dieser Ziele nur mit der Validierung erreicht werden
können.
Ziele, die ein Zertifikat (Validierung) erforderlich machen
- Wettbewerbsvorteile u.a. bei Ausschreibungen, bei Fördermittelvergabe,
im Verhältnis zu Kunden
- Imagegewinn, Erhöhung von Glaubwürdigkeit und Akzeptanz
- Senkung des Haftungsrisikos
- Verbesserte Konditionen bei Geldinstituten
- Verbesserte Absatzchancen von Produkten und Dienstleistungen
- Verbesserte Zusammenarbeit mit Behörden
- Staatliche Förderung des Öko-Audits
- Hoffnung auf Deregulierung
- Vorgaben durch die Muttergesellschaft
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Ziele, die auch unabhängig von der Validierung
erreicht werden können
- Kostensenkung durch höhere Umwelteffizienz
- Mehr Transparenz im Unternehmen
- Identifikation der Mitarbeiter mit Arbeitsprozess und Unternehmen
- Erhöhung der Rechtssicherheit
- Reduzierung von Gefahren
- Verminderung von Betriebsstörungen und Betriebsunterbrechungen
- Umweltentlastung, Kenntnis der Umweltauswirkungen
- verbesserte (umweltbezogene) Betriebsorganisation
- Minderung von Gesundheitsrisiken für Arbeitnehmer
- Ökologisches Selbstverständnis des Unternehmens
- Hilfe für strategische Unternehmensentscheidungen
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Die Validierung ist ein gravierender Kostenfaktor im Öko-Audit-Prozess;
die Umweltgutachter stellen bereits für die Begutachtung einer Schule
oder eines kleineren gewerblichen Betriebsstandortes Rechnungen in Höhe
einiger tausend Euro aus - bei Großunternehmen sind die Kosten noch
höher. Die Leistung des Gutachters wird vom validierten Unternehmen
/ von der validierten Einrichtung bezahlt.
Um dennoch die gebotene Unabhängigkeit des Gutachters vom Unternehmen
und somit die Objektivität der Begutachtung zu gewährleisten,
enthält das EMAS-System folgende Regelungen:
- Die Gutachter sind Externe, die vom Unternehmen unabhängig sind.
Sie dürfen die Unternehmen nicht beraten, d.h. ihre Bezahlung ist
nicht an den Erfolg der Validierung gekoppelt.
- Nicht jedermann darf als Umweltgutachter im Rahmen der Validierung
tätig sein; dafür ist eine Zulassung erforderlich, die nur
erhält, wer ein sehr anspruchsvolles Qualifizierungs- und Prüfungsprogramm
erfolgreich absolviert hat. Die Fachkompetenz der Gutachter wird zudem
dadurch gestärkt, dass die Zulassung jeweils nur für klar
definierte Branchen gültig ist.
- Die "Standards" für die Durchführung des Öko-Audits,
den Aufbau des Umweltmanagements, für die Erstellung der Umwelterklärung
und auch für die Validierung sind in der EMAS-Verordnung so detailliert
festgelegt, dass alle Gutachter die gleiche Messlatte anlegen müssen.
Schließlich sei darauf hingewiesen, dass die Validierung wesentlich
weniger heikel ist als ein Rating. Es geht schließlich "nur"
darum, ob ein Unternehmensstandort eine klar definierte Hürde genommen
hat und nicht darum, eine Rangfolge zwischen verschiedenen Unternehmen
zu erarbeiten.
Validierung für
Schulen?
Auch für Schulen stellt sich die Frage, ob eine Validierung im Rahmen
des Öko-Audits sinnvoll ist. Für beide Entscheidungen - dafür
oder dagegen - gibt es gute Gründe.
PRO
Imagegewinn: Mit der Validierung wird Ihnen offiziell bescheinigt,
dass Sie den Standard, den die EMAS-Verordnung vorgibt, tatsächlich
erreicht haben. Sie können sich damit von Projekten abheben,
in denen der Begriff "Öko-Audit" nur als neues Schlagwort
auf herkömmliche Verfahren geheftet wird. Gerade die ersten
Pilotschulen, die bereits bis zum Jahr 2000 die Validierung erzielt
hatten, haben eine außerordentlich starke und positive öffentliche
Resonanz erfahren (Medienecho, Ministerien, Auszeichnungen).
Wirkung nach innen: Eine positive Resonanz von außen
kann helfen, den schulinternen Stellenwert des Umweltschutzes deutlich
zu erhöhen und auch Kollegen bzw. Schüler vom Ernst der
Sache zu überzeugen, die sonst Umweltfragen gegenüber
weniger aufgeschlossen sind. Genauso gewichtig ist, dass für
die Validierung auch solche sinnvollen Anforderungen erfüllt
sein müssen, die ansonsten gerne vernachlässigt werden
- z.B. die Einbindung eines Schuleitungsmitgliedes als Managementvertreter
in das Umweltmanagementsystem. Schließlich kann sich die Schule
nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen - sie setzt sich vielmehr dem
Zwang aus, in drei Jahren wieder Fortschritte nachzuweisen! |
CONTRA
Aufwand: Der erforderliche Aufwand ist hoch. Für den
Umweltgutachter und die Eintragung ins Standortregister werden insgesamt
ca. 3.000 Euro fällig (je nach Größe des Standortes
mehr oder weniger!). Unbezahlbar ist hingegen der der Aufwand, um
ein normenkonformes Umweltmanagementsystem einzurichten. Im Berufskolleg
Neuss Weingartstraße haben die das Projekt tragenden Lehrer
dafür ein volles Schulhalbjahr über fast mit (gegenüber
dem Unterrichtsbetrieb) verdoppelter Leistung gearbeitet.
Messlatte: Fraglich ist, ob die in der EMAS-Verordnung angelegten
Kriterien wirklich für eine Schule relevant sind. Entsprechend
dem gewerblichen Vorbild spielen hier z.B. Sicherheitsaspekte eine
ganz hervorragende Rolle. Wer das Öko-Audit vor allem als Instrument
zur Umweltgestaltung einsetzen möchte, wird diese Anforderungen
als Ballast empfinden. Zudem wird bei der Validierung nur die Übereinstimmung
Ihres Umweltmanagements mit den Normen geprüft. Nicht die Schule
besteht die Prüfung, die den geringsten Energieverbrauch aufweist
- sondern die Schule, die die inhaltlichen und formellen Anforderungen
der EMAS-Verordnung umgesetzt hat. |
Es ist übrigens auch möglich, ein Öko-Audit "klein"
zu beginnen und erst nach Jahren den Schritt der Validierung zu gehen.
"Hitliste" der Umwelterklärungen
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Die Top 5 1998 (Öko-Institut)
- Hipp Werk
- Elac Phonosysteme GmbH
- Fürstl. Fürstenbergische Brauerei KG
- Gebr. Schaette KG
- Carl Kühne KG
Die Top 5 2000 (future / IÖW)
- Mohn Media
- Axel Springer
- Volkswagen
- Otto
- Henkel
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Erwähnenswert ist schließlich ein dritter Bereich: ein Ranking
von Umweltberichten.
Future e.V. und das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung
IÖW (Berlin) haben solche Rankings in den Jahren 1994, 1995, 1998
und 2000 durchgeführt. Das Öko-Institut (Freiburg) hat 1998
Ergebnisse einer ähnlichen Studie vorgelegt.
Bei beiden Studien sind die zugrunde liegenden Bewertungsraster veröffentlicht
(das Öko-Institut zudem für jedes Unternehmen eine verbale Einschätzung),
so dass die Ergebnisse nachvollziehbar und plausibel sind und die Leser
gleichzeitig wertvolle Tipps für die Abfassung eigener Umweltberichte
gewinnen können.
Einige prägnante Ergebnisse aus dem future/IÖW-Ranking von
2000:
- Neben den Umwelterklärungen, die im Rahmen des Öko-Audits
veröffentlicht werden, gibt es weitere Gruppen der Umweltberichterstattung:
so z.B. Berichte von "Öko-Pionieren", die ihre überragenden
ökologischen Vorteile überzeugend kommunizieren wollen sowie
Berichte von Firmen bzw. aus Branchen mit Image-Problemen, denen es
um eine Verbesserung der öffentlichen Wahrnehmung geht.
- Die Qualität der Umweltberichterstattung hat im Laufe der Jahre
kontinuierlich zugenommen. Dies gilt u.a. für die den Berichten
zugrunde liegende Datenbasis - hier zeigen sich die Früchte der
mehrjährigen Arbeit in den Unternehmen.
- Die Zahl der Unternehmen mit eigener, das Gesamtunternehmen umfassender
Umweltberichterstattung nimmt zu.
- Deutsche Unternehmen sind - gemeinsam mit skandinavischen - weltweit
führend in der Umweltberichterstattung. 44% der deutschen Großunternehmen
berichten bereits systematisch über Umweltfragen.
- Die Berichte sind noch zu stark auf die Produktion fixiert, die Produkte
- die von ihnen ausgehenden Probleme sowie die Marktchancen innovativer
Produkte - werden noch unzureichend thematisiert. Hier wird voraussichtlich
die neue EMAS II-Verordnung Abhilfe schaffen, die explizite auch die
Berücksichtigung indirekter Umweltauswirkungen einfordert.
- Das Internet wird noch sehr wenig zur Verbreitung der Umweltberichte
genutzt. Zu den positiven Ausnahmen gehören DaimlerChysler, Axel
Springer, Volkswagen und Henkel.
- Über den Umweltschutz hinausgehende Aspekte einer nachhaltigen
Entwicklung werden erst von wenigen Unternehmen thematisiert. Hervorgehoben
wird die Deutsche Bahn, die das Zukunftsleitbild "Nachhaltigkeit"
mit eignenen unternehmerischen Aktivitäten verknüpft.
Schlussfolgerungen für Schulen
- Für die schulische Umweltbildung können die hier
vorgestellten Instrumente zur Bewertung von Unternehmen sehr wertvolle
Informationen liefern. Nicht mehr zeitgemäß wäre eine
Umweltbildung, die sich darin beschränkt, den Einzelnen zu umweltgerechtem
Verhalten wie z.B. Mülltrennen oder Fahrradfahren zu erziehen.
Das Umweltranking der Automobilhersteller beispielsweise kann helfen,
sich auch sehr konkret mit der Verantwortung und der Rolle der Wirtschaft
auseinanderzusetzen.
- Wenn eine Schule mit dem Öko-Audit beginnt oder dies in
Erwägung zieht, dann kann sie die Liste der validierten Unternehmensstandorte
sowie die "Hitlisten" der Umwelterklärungen nutzen, um
engagierte und kompetente Partner zu finden. Die Erfahrungen der Düsseldorfer
Schulen belegen, dass Unternehmen mit ihrem Know-How wertvolle Unterstützung
beim Audit leisten können. Wer die Maßstäbe dieser Bewertungen
verinnerlicht, hat es zudem selbst leichter, eine gute Umwelterklärung
zu schreiben. Eine besonders wertvolle Hilfe stellt hierbei der Selbstcheck
dar, den future e.V. und IÖW unter www.ranking-umweltberichte.de/selbst.html
zum Download anbieten. Auch die 10 Tipps für gute Umweltberichte
unter www.ranking-umweltberichte.de/tipps.html
sind hilfreich.
- Die Frage, ob eine Validierung ein sinnvoller und angemessener
Schritt im eigenen Öko-Audit-Prozess ist, muss jede Schule selbst
beantworten. Es ist jedoch darauf hinzuweisen, dass es evtl. künftig
- als Ergebnis des aktuellen BLK-Modellversuchs - ein spezielles schulbezogenes
Zertifikat unterhalb von EMAS II geben wird.
Quellen
- Evelyn Bohle: Skandinavische Länder führen. In: punkt.um
2 (2002) 9
- Robert Haßler und Dirk Reinhard: Ökologische Bonitätsprüfung.
In: Politische Ökologie 53 (1997) 68-70
- Dirk Reinhard: Mit Vollgas in die Zukunft? In: punkt.um 10 (1999)
11
- Umweltbundesamt (Hrsg.): Umweltmanagement in der Praxis. Texte 20/98
sowie 52/98. Berlin, 1998
- Jörg Friese: Öko-Audit in Mecklenburg-Vorpommern - Ein Schritt
zur nachhaltigen Entwicklung. Diplomarbeit FH Merseburg FB Wirtschaftswissenschaften.
1999
- Henkel KGaA, Düsseldorf R&D Communications (Hrsg.): Nachhaltigkeitsbericht
2001, Düsseldorf, 2002
- Hannegret Hönes, Peter Küppers: Untenehmen Umwelt: Die Umwelterklärungen
deutscher Unternehmen im Vergleich. Öko-Institut e.V. (Hrsg), Freiburg,
1998
- Liste der validierten Unternehmensstandorte nach EMAS-Verordnung:
http://www.diht.de/, dort nach "Öko-Audit"
suchen - Download-Möglichkeit
- IÖW / Future: www.ranking-umweltberichte.de/
- oekom researc AG: www.oekom.de/
- Henkel KGaA: www.henkel.de/nachhaltigkeit - inzwischen nicht mehr
aktiv
Weiterführende Informationen:
- zum Thema ökologische / ethische Kapitalanlage: Politische Ökologie
Heft 67-68 (2000)
Tilman Langner im Auftrag der Landeshauptstadt Düsseldorf