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Offizielles Projekt der Unesco-Dekade Bildung fuer nachhaltige Entwicklung

Ein neuer schöner Schein?

Validierung, Rating, Benchmarking

Gliederung

  1. Vergleich von Unternehmen
  2. Validierung beim Öko-Audit
  3. Hitliste der Umwelterklärungen
  4. Schlussfolgerungen für Schulen
  5. Quellen

Ein Blick ins Wörterbuch

  • Benchmark: Vergleichspunkt, Höhenmarke
  • Benchmarking: Test mit einem Referenzprogramm
  • Rating: Beurteilung
  • to rank: eingruppieren

Wer sich heute für Umweltschutz und nachhaltige Entwicklung in der Wirtschaft interessiert, trifft früher oder später auf Vokabeln wie Validierung, Rating, Ranking oder Benchmarking. Was verbirgt sich dahinter, was wird den Unternehmen damit bescheinigt und vor allem: Zieht damit tatsächlich die Nachhaltigkeit in die Unternehmen ein?

Bei allen genannten Instrumenten werden Unternehmen (bzw. ihre Leistungen) durch unabhängige und neutrale Dritte bewertet. Dabei muss es gar nicht um den Umweltschutz gehen; beim klassischen Finanz-Rating wird die Bonität von Unternehmen geprüft - also Aspekte wie die Liquidität, die Ertragskraft, der Verschuldungsgrad,... - und die Ergebnisse helfen Kapitalanlegern bei ihren Investitionsentscheidungen.

Diese Bewertungen können jedoch auch unter Umwelt- oder Nachhaltigkeitsgesichtspunkten erfolgen. Einige Beispiele sollen nachfolgend vorgestellt werden.

Vergleich von Unternehmen

Umwelt-Rating

Bei den hier zur Debatte stehenden Bewertungsverfahren (Rating, Benchmarking) werden die Unternehmensleistungen im Umweltschutz bzw. in anderen Bereichen der nachhaltigen Entwicklung bewertet. Diese Bewertung zielt auf einen objektiven Vergleich, d.h. es wird eine Rangliste der Unternehmen gebildet, sinnvollerweise geschieht das zwischen Unternehmen, die derselben Branche zugehören und somit auch an gleichen Maßstäben gemessen werden können.

Die oekom research AG (Sitz in München) hat auf ihrer Homepage www.oekom.de/ die Grundzüge ihres Vorgehens beschrieben. Ein Rating läuft demnach in drei Schritten ab:

  1. Festlegung der für die Branche relevanten Untersuchungs-Tatbestände; beim Umwelt-Rating sind dies insbesondere:
    • Umweltmanagement (Unternehmensleitbild und Ziele, Umweltprogramm, Ökobilanz etc.),
    • Produkte und Dienstleistungen (insbesondere ökologische Entwicklungen wie langlebige Produkte oder die Vermeidung ökologisch bedenklicher Stoffe) sowie
    • betriebliche Umweltkennzahlen, die Aufschluss über die Öko-Effizienz geben (z.B. Energie- und Wasserverbrauch, Emissionen)
  2. Datenerhebung - teils durch Befragung der Unternehmung, teils durch Auswertung anderer Quellen
  3. Bewertung, SOLL-IST-Vergleich auf Basis eines definierten ökologischen SOLL-Zustandes. Dabei wird z.B. die Relevanz der Bereiche Produktion versus Produkte (bzw. Dienstleistungen) von Branche zu Branche unterschiedlich gewichtet, so gehen z.B. in der Automobilindustrie die Produkte (bzw. Maßnahmen zur ökologischen Produktentwicklung) mit 65% Gewichtung in das Ergebnis ein; bei der Textilindustrie kommen die Umweltauswirkungen überwiegend aus der Produktion, und entsprechend gehen die Produkte nur mit 35% Gewichtung in das Ergebnis ein. Als Ergebnis der Bewertung gliedert oekom research die Unternehmen auf einer 12stufigen Skale (von A+ für ein im Rahmen der Branche insgesamt besonders progessives Umweltverhalten bis D- für Unternehmen, die sich nur an den gesetzlichen Anforderungen orientieren und darüber hinaus keinerlei Umweltengagement zeigen) ein.

Beispiel: Umwelt-Rating der Automobilindustrie

Ende 1999 veröffentlichte die oekom research AG Ergebisse eines Umwelt-Ratings von 15 Automobilherstellern aus sechs Ländern (Reinhard, 1999). Auf der 12stufigen Skala erreichte die Branche im Durchschnitt nur ein C-. An der Spitze lagen Audi, Volkswagen und Fiat (jeweils C+), am Ende Mazda und Honda (jeweils D).

Punkten konnten die Automobilkonzerne, die daran arbeiten, den Spritverbrauch ihrer Fahrzeugflotte zu reduzieren. So führte der Lupo 3L TDI des Rating-Siegers VW aufgrund seines geringen Kraftstoffverbrauchs zeitgleich die Auto-Umweltliste des VCD an. Auch die Entwicklung alternativer Antriebstechnologien - Gas-, Elektro- bzw. Hybridmotoren oder Brennstoffzellen - wurde honoriert. Dennoch kritisierten die oekom-Experten in Übereinstimmung mit Umweltverbänden, dass diese hoffnungsvollen Entwicklungsschritte in der Branche noch immer von gegenläufigen Tendenzen - immer größeren, schwereren und leistungsstärkeren Fahrzeugen sowie auch einer steten Zunahme der Fahrleistungen - überlagert werden.

Auch der Umweltschutz bei der Produktion wurde einbezogen; im Bereich Umweltmanagement zeigten Audi und BMW die besten Leistungen.

Weitere Rating-Verfahren

Beispiele hierfür sind (Quelle u.a.: www.henkel.de/nachhaltigkeit - inzwischen nicht mehr aktiv):

Wer braucht diese Bewertungen und wer finanziert sie?

Nutzen von Ratings für das eigene Unternehmen (nach Haßler und Reinhard, 1997)

  1. Mitarbeiter,
  2. Öffentlichkeitsarbeit,
  3. Banken/Investoren,
  4. Produktentwicklung

Die hier vorgestellten Unternehmensvergleiche werden in erster Linie für Kapitalanleger gemacht. Sie liefern ihnen Informationen und Entscheidungsgrundlagen für ihre Investitionen. Von den Privatpersonen, die als Kleinanleger in Aktien investieren, lässt sich eventuell ein geringer Prozentsatz auch von ideellen Gründen leiten. Für institutionelle Investoren (Fondsverwalter) geht es jedoch um möglichst hohe und möglichst sichere Gewinne. Die Umwelt-Ratings geben Anhaltspunkte über die Zukunftsfähigkeit der Unternehmen und über Risiken wie Kredit-, Besicherungs- oder Haftungs-Risiken sowie Wertberichtigungen - das sind im Vergleich zum klassischen Finanz-Rating sehr wertvolle Zusatzinformationen.

Die Ratings werden von den Kunden, den Kapitalanlegern bezahlt - nicht von den bewerteten Unternehmen; es ist daher glaubwürdig, dass sie ein unabhängiges und (soweit das im Rahmen der sehr komplexen Materie möglich ist) objektives Bild liefern.

Zu erwähnen ist, dass auch die Mehrzahl der bewerteten Unternehmen eigene Nutzeffekte sieht (Kasten oben).

Prüfung der Normenkonformität: Die Validierung beim Öko-Audit

Im Rahmen des Öko-Audits nach der EMAS II-Verordnung spielt die Validierung eine zentrale Rolle. Hierbei überprüft ein neutraler und unabhängiger Gutachter die Übereinstimmung des betrieblichen Umweltmanagements mit den in EMAS II festgelegten Anforderungen. Überprüft werden insbesondere:

Nach bestandener Validierung kann sich das Unternehmen in ein Register eintragen lassen, das jeweils auf Ebene der europäischen Staaten geführt wird. Dieses Register ist öffentlich einsehbar (http://www.diht.de/, dort nach "Öko-Audit" suchen - Download-Möglichkeit) und es enthält Namen und Anschriften der am Öko-Audit nach EMAS beteiligten Unternehmen.

Das Unternehmen erhält das offizielle Prüfsiegel, das es verwenden darf, um die Öffentlichkeit über die erfolgreiche Teilnahme am EMAS-System zu informieren.

Wer braucht die Validierung und wer finanziert sie?

Nutznießer der Validierung ist das Unternehmen, das ein Öko-Audit durchführt. Die nachfolgende Übersicht nennt zentrale Ziele, die Unternehmen mit dem Öko-Audit verfolgen (unabhängig davon, wie realistisch diese Ziele im Einzelnen sind). Es wird deutlich, dass eine ganze Reihe dieser Ziele nur mit der Validierung erreicht werden können.

Ziele, die ein Zertifikat (Validierung) erforderlich machen

  • Wettbewerbsvorteile u.a. bei Ausschreibungen, bei Fördermittelvergabe, im Verhältnis zu Kunden
  • Imagegewinn, Erhöhung von Glaubwürdigkeit und Akzeptanz
  • Senkung des Haftungsrisikos
  • Verbesserte Konditionen bei Geldinstituten
  • Verbesserte Absatzchancen von Produkten und Dienstleistungen
  • Verbesserte Zusammenarbeit mit Behörden
  • Staatliche Förderung des Öko-Audits
  • Hoffnung auf Deregulierung
  • Vorgaben durch die Muttergesellschaft

Ziele, die auch unabhängig von der Validierung erreicht werden können

  • Kostensenkung durch höhere Umwelteffizienz
  • Mehr Transparenz im Unternehmen
  • Identifikation der Mitarbeiter mit Arbeitsprozess und Unternehmen
  • Erhöhung der Rechtssicherheit
  • Reduzierung von Gefahren
  • Verminderung von Betriebsstörungen und Betriebsunterbrechungen
  • Umweltentlastung, Kenntnis der Umweltauswirkungen
  • verbesserte (umweltbezogene) Betriebsorganisation
  • Minderung von Gesundheitsrisiken für Arbeitnehmer
  • Ökologisches Selbstverständnis des Unternehmens
  • Hilfe für strategische Unternehmensentscheidungen

Die Validierung ist ein gravierender Kostenfaktor im Öko-Audit-Prozess; die Umweltgutachter stellen bereits für die Begutachtung einer Schule oder eines kleineren gewerblichen Betriebsstandortes Rechnungen in Höhe einiger tausend Euro aus - bei Großunternehmen sind die Kosten noch höher. Die Leistung des Gutachters wird vom validierten Unternehmen / von der validierten Einrichtung bezahlt.

Um dennoch die gebotene Unabhängigkeit des Gutachters vom Unternehmen und somit die Objektivität der Begutachtung zu gewährleisten, enthält das EMAS-System folgende Regelungen:

Schließlich sei darauf hingewiesen, dass die Validierung wesentlich weniger heikel ist als ein Rating. Es geht schließlich "nur" darum, ob ein Unternehmensstandort eine klar definierte Hürde genommen hat und nicht darum, eine Rangfolge zwischen verschiedenen Unternehmen zu erarbeiten.

Validierung für Schulen?

Auch für Schulen stellt sich die Frage, ob eine Validierung im Rahmen des Öko-Audits sinnvoll ist. Für beide Entscheidungen - dafür oder dagegen - gibt es gute Gründe.

PRO

Imagegewinn: Mit der Validierung wird Ihnen offiziell bescheinigt, dass Sie den Standard, den die EMAS-Verordnung vorgibt, tatsächlich erreicht haben. Sie können sich damit von Projekten abheben, in denen der Begriff "Öko-Audit" nur als neues Schlagwort auf herkömmliche Verfahren geheftet wird. Gerade die ersten Pilotschulen, die bereits bis zum Jahr 2000 die Validierung erzielt hatten, haben eine außerordentlich starke und positive öffentliche Resonanz erfahren (Medienecho, Ministerien, Auszeichnungen).

Wirkung nach innen: Eine positive Resonanz von außen kann helfen, den schulinternen Stellenwert des Umweltschutzes deutlich zu erhöhen und auch Kollegen bzw. Schüler vom Ernst der Sache zu überzeugen, die sonst Umweltfragen gegenüber weniger aufgeschlossen sind. Genauso gewichtig ist, dass für die Validierung auch solche sinnvollen Anforderungen erfüllt sein müssen, die ansonsten gerne vernachlässigt werden - z.B. die Einbindung eines Schuleitungsmitgliedes als Managementvertreter in das Umweltmanagementsystem. Schließlich kann sich die Schule nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen - sie setzt sich vielmehr dem Zwang aus, in drei Jahren wieder Fortschritte nachzuweisen!

CONTRA

Aufwand: Der erforderliche Aufwand ist hoch. Für den Umweltgutachter und die Eintragung ins Standortregister werden insgesamt ca. 3.000 Euro fällig (je nach Größe des Standortes mehr oder weniger!). Unbezahlbar ist hingegen der der Aufwand, um ein normenkonformes Umweltmanagementsystem einzurichten. Im Berufskolleg Neuss Weingartstraße haben die das Projekt tragenden Lehrer dafür ein volles Schulhalbjahr über fast mit (gegenüber dem Unterrichtsbetrieb) verdoppelter Leistung gearbeitet.

Messlatte: Fraglich ist, ob die in der EMAS-Verordnung angelegten Kriterien wirklich für eine Schule relevant sind. Entsprechend dem gewerblichen Vorbild spielen hier z.B. Sicherheitsaspekte eine ganz hervorragende Rolle. Wer das Öko-Audit vor allem als Instrument zur Umweltgestaltung einsetzen möchte, wird diese Anforderungen als Ballast empfinden. Zudem wird bei der Validierung nur die Übereinstimmung Ihres Umweltmanagements mit den Normen geprüft. Nicht die Schule besteht die Prüfung, die den geringsten Energieverbrauch aufweist - sondern die Schule, die die inhaltlichen und formellen Anforderungen der EMAS-Verordnung umgesetzt hat.

Es ist übrigens auch möglich, ein Öko-Audit "klein" zu beginnen und erst nach Jahren den Schritt der Validierung zu gehen.

"Hitliste" der Umwelterklärungen

Die Top 5 1998 (Öko-Institut)

  1. Hipp Werk
  2. Elac Phonosysteme GmbH
  3. Fürstl. Fürstenbergische Brauerei KG
  4. Gebr. Schaette KG
  5. Carl Kühne KG

Die Top 5 2000 (future / IÖW)

  1. Mohn Media
  2. Axel Springer
  3. Volkswagen
  4. Otto
  5. Henkel

Erwähnenswert ist schließlich ein dritter Bereich: ein Ranking von Umweltberichten.

Future e.V. und das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung IÖW (Berlin) haben solche Rankings in den Jahren 1994, 1995, 1998 und 2000 durchgeführt. Das Öko-Institut (Freiburg) hat 1998 Ergebnisse einer ähnlichen Studie vorgelegt.

Bei beiden Studien sind die zugrunde liegenden Bewertungsraster veröffentlicht (das Öko-Institut zudem für jedes Unternehmen eine verbale Einschätzung), so dass die Ergebnisse nachvollziehbar und plausibel sind und die Leser gleichzeitig wertvolle Tipps für die Abfassung eigener Umweltberichte gewinnen können.

Einige prägnante Ergebnisse aus dem future/IÖW-Ranking von 2000:

Schlussfolgerungen für Schulen

Quellen

Weiterführende Informationen:

 

Tilman Langner im Auftrag der Landeshauptstadt Düsseldorf