Clever & Co - Strom sparen mit moderner Technik (Kl. 9/10)
Ziele
Technische Optionen
zum Energiesparen kennen und verstehen lernen. Verbindung zur
Lebens- und Konsumwelt von Jugendlichen finden. Wirtschaftliches
Denken im Umweltschutz erlernen.
Fachbezug
- Sozialkunde (Spannungsverhältnis Ökonomie
- Ökologie),
- AWT (Energie und Umwelt sowie Steuern und
Regeln von technischen Abläufen),
- Physik (Energie und
Umwelt)
- Naturwissenschaftlicher Unterricht (Energie und
Umwelt)
Vorbereitungs- und Durchführungsaufwand
I (gering)
Zeitbedarf
1-2 Unterrichtsstunden
Voraussetzungen und Vorbereitung
Für diese Unterrichtseinheit benötigen Sie Katalogmaterial
von Technik-Kaufhäusern, ein bis zwei Energiekostenmessgeräte
(ab ca. 20,- bis 50,- Euro im Fachhandel bzw. im Baumarkt erhältlich)
sowie den Zugang zu elektrischen Geräten in Ihrer Schule.
Informieren Sie sich zudem über Ihre Stromtarife (Wirkleistung,
Preis pro kWh incl. MWST). Ihr Arbeitsraum sollte bewegliches
Mobiliar aufweisen, damit Ihre Schüler sich Tische für
die Gruppenarbeit einrichten können.
Durchführung
Lassen
Sie Ihre Schüler in drei Schritten arbeiten:
Informationen sammeln
Aus den Katalogen
sollen Geräte herausgesucht werden, mit denen Energie
gespart werden kann. Die Kataloge können über die
Inhaltsgliederung oder über das Produktregister erschlossen
werden. Lassen Sie Ihre Schüler möglichst selbstständig
suchen! Notfalls können Sie auch Geräte vorgeben,
insbesondere:
- Energiesparlampen,
- Dimmer,
- Schaltuhren,
- Stand-by-Schalter,
- schaltbare Steckdosenleisten (eventuell mit
Master-Slave-Funktion, d.h. automatische Schaltung der Steckdosenleiste
bei Inbetriebnahme eines angeschlossenen Gerätes).
Erörtern Sie mit der Klasse, wie diese Geräte funktionieren
und wo sie zum Einsatz kommen können. Lassen Sie Ihre Schüler
beurteilen, wie gut die Kataloge hierüber Auskunft geben.
Modellanwendungen untersuchen
In einem zweiten Schritt
wird abgeschätzt, welchen ökologischen und ökonomischen
Nutzen diese Geräte erbringen. Entwickeln Sie dafür
mit Ihren Schülern konkrete Modellanwendungen mit Bezug
zu Ihrer Schule oder zum Privatleben der Schüler! Jedes
dieser Modelle besteht aus einer Energieverschwendungs- und einer
Energiesparvariante. Beide Varianten müssen so konkret sein,
dass Stromverbrauch und Anschaffungskosten untersucht werden
können und dass die Schüler nachfolgend in Kleingruppen
die Wirtschaftlichkeit abschätzen können.
Verwenden Sie die nachfolgenden Beispiele oder - noch besser
- erarbeiten Sie eigene konkrete Szenarien (welche Geräte unter
welchen Einsatzbedingungen sollen untersucht werden) als Energieverschwendungs-
und Energiesparvariante. Nutzen Sie dafür die nachfolgend pauschal
angegebenen Werte für die Leistung oder - noch besser - führen
Sie eigenen Messungen durch.
Beleuchtung I
- Ein Arbeitsplatz wird mit einer 60-W-Glühlampe beleuchtet.
- Diese wird durch eine Energiesparlampe gleicher Helligkeit
ersetzt. Eine Energiesparlampe ist wesentlich teurer als eine
Glühlampe
- sie hält
aber länger
(dies muss unbedingt berücksichtigt werden) und sie
verbraucht weniger Energie. Wie viele kWh und wie viel Geld
können während der Lebensdauer einer Energiesparlampe
eingespart werden? (Diese Lebensdauer wird in Betriebsstunden
angegeben.)
Beleuchtung II
- Ein größerer Raum (z.B. ein Flur oder Umkleideräume
der Turnhalle) wird acht Stunden pro Tag mit 20 Glühlampen
von je 100 W
Leistung beleuchtet. Für einige Stunden kommt aber auch
etwas Tageslicht durch die Fenster.
- Nach Einbau eines Dimmers
kann daher die Beleuchtung für drei Stunden am Tage
auf insgesamt 1000 W reduziert werden, während
der übrigen 5 Stunden sind nach wie vor 2000 W
erforderlich. Wie lange dauert es, bis sich der Dimmer amortisiert
hat? Wie viele kWh und wie viel Geld können innerhalb
von 5 Jahren eingespart werden?
- Welchen Effekt bringt als
Alternativvariante der Einbau von Energiesparlampen, die
nicht gedimmt werden können?
- Welchen Effekt bringt eine
bedarfsorientierte Steuerung über Bewegungsmelder, mit
dessen Hilfe die Beleuchtung bei unveränderter Leistung
nur noch 3 Stunden pro Tag, z. B. nur während der
Pausen, betrieben wird?
- Welche Alternativen gibt es sonst
noch?
Computerarbeitsplatz
- Ein Computerarbeitsplatz ist mit mehreren
Peripheriegeräten ausgerüstet, die jeweils über
externe Netzteile mit Strom versorgt werden (z.B. Drucker,
Scanner, Joystic und Aktivboxen). Alle diese Geräte
werden an 200 Schultagen jeweils 6 Stunden lang genutzt,
die gesamte übrige Zeit des Jahres sind sie ausgeschaltet.
Die externen Netzteile bleiben jedoch am Netz und verbrauchen
auch im Leerlauf Energie (erkennbar am leisen Brummen bzw.
einer leichten Erwärmung), und zwar zusammen 20 W.
- Als Energiesparvariante
wird in den Ruhezeiten die Stromzufuhr für alle Geräte
manuell mittels einer schaltbaren Steckdosenleiste unterbrochen.
Wie lange dauert es, bis sich die Energiesparvariante amortisiert
hat? Wie viele kWh und wie viel Geld können innerhalb
von 5 Jahren eingespart werden?
- Als Alternative wird eine schaltbare Steckdosenleiste mit
Master-Slave-Funktion eingesetzt. Diese übernimmt
den Schaltvorgang für die Peripheriegeräte automatisch,
sobald der Computer als Master-Gerät ein- bzw. ausgeschaltet
wird. Diese Variante ist teurer aber sicherer, weil das
Ausschalten nicht vergessen werden kann. Wie lange dauert es,
bis sich diese Variante amortisiert hat?
TV-Anlage
- Eine TV-Anlage (Receiver, Fernseher) wird jeden
Tag 4 Stunden lang genutzt. Nach Gebrauch werden die Geräte
per Fernbedienung in den Stand-by-Zustand versetzt. Sie verbrauchen
damit noch zusammen 10 W.
- Als Energiesparvariante wird ein Stand-by-Schalter
eingesetzt, der einen Eigenverbrauch von nur 0,5 W hat.
Wie lange dauert es, bis er sich amortisiert? Wie viele kWh
und wie viel Geld können innerhalb von 5 Jahren eingespart
werden?
| Beispiele
für Leerlaufverluste |
| Gerät |
Leerlaufverlust (Beispiel; in W) |
Leerlaufverlust (gemessen, in W) |
Kosten pro Jahr* |
| DVD-Spieler |
15 |
|
|
| PC-Lautsprecher |
10 |
|
|
| Tintenstrahldrucker |
12 |
|
|
| Farblaserdrucker |
103 |
|
|
| Lautsprecher |
57 |
|
|
| Festplattenrecorder |
63 |
|
|
Quelle:
Umweltbundesamt (2008): Energiesparen im Haushalt. Tipps
und Informationen zum richtigen Umgang mit Energie. Download
unter www.umweltdaten.de/publikationen/fpdf-l/188.pdf
*Das
Umweltbundesamt berechnet die Kosten pro Jahr für Deutschland mit 1,46 € pro Watt Dauerbetrieb.
Die Schüler können das auch anhand aktueller
Strompreise selber ausrechnen. (P=W*t also Stromverbrauch
im Jahr = Leerlaufverlust * Stunden im Jahr; aktuellen
Strompreis verwenden.) |
Zusammenfassung und Diskussion
Ihre Schüler tragen
die in den Gruppen erarbeiteten Ergebnisse zusammen. Sie diskutieren
folgende Fragen:
- Welche Modelle führen zu besonders wirtschaftlichen
Einsparungen (also kurzen Amortisationszeiten)? Wie würde
sich ein Unternehmer, der möglichst hohe Gewinne realisieren
will, hierzu verhalten?
- Welchen Einfluss haben die Energiepreise auf
die Wirtschaftlichkeit der Modelle? Welche Chancen hat ihre
Realisierung, wenn die Energiepreise durch die Ökosteuer
steigen oder wenn sie durch die Liberalisierung der Strommärkte
fallen?
- Mit welchen Maßnahmen kann sonst noch
Strom gespart werden?
- Welche konkreten Schritte sind für die
Schule sinnvoll?
Erfahrungen und Ergebnisse
Nach Angaben des
Umweltbundesamtes (2008) bezahlt ein durchschnittlich ausgestatteter
Haushalt für
die im Stand-by laufenden Geräte etwa 100,- Euro an Stromkosten
pro Jahr, bei einem anspruchsvoll ausgestatteten Haushalt ist
das noch mehr. Die gesamten jährlichen Leerlaufverluste in Deutschland
sind 4 Milliarden Euro wert. Auch wenn dies
nur pauschale Schätzwerte / Durchschnittswerte sind, zeigen sie
doch, dass es sich lohnt, Stromverschwender zu stoppen.
Spezielle Tipps
Wenn Sie keine eigenen Messgeräte haben bzw. kaufen können,
wenden Sie sich an die Aktion No-Energy (www.no-e.de/ > Rubrik
Schulen). Dort können Sie kostenlos einen Koffer mit Messgeräten
ausleihen; Sie müssen lediglich die portokosten für
die Rücksendung des Koffers tragen.
Achten Sie vor allem darauf,
dass plausible und realistische Modelle für die
Abschätzung der Wirtschaftlichkeit gefunden werden!
Versuchen Sie, einige wirtschaftliche Maßnahmen gemeinsam
mit Ihren Schülern umzusetzen! Hierbei sind der Computer-
oder Videoraum leichter zugänglich, der größere
Stromverbrauch und somit die größeren Einspar-Potentiale
dürften jedoch bei der Beleuchtung zu finden sein.
Literatur und Kontakte
Hintergrundinformationen (für Erwachsene)
- Weizsäcker, Ernst Ulrich von / Lovins, A. B.: Faktor Vier.
Doppelter Wohlstand – halbierter Naturverbrauch. Der neue
Bericht an den Club of Rome. Knaur-Verlag, München
1996 (Standardwerk zur Philosophie und Praxis des Energiesparens)
- www.rmi.org/ Das
Rocky Mountain Institute (RMI), eine Nonprofit-Einrichtung,
ist in Forschung und Entwicklung zu verschiedenen Fragen
einer nachhaltigen Entwicklung aktiv. Es wurde 1982
von L. Hunter Lovins und Amory B. Lovins (Autoren des o.g.
Buches) gegründet.
Englische Website.
- www.wupperinst.org/de/home/: Das Wuppertal
Institut erforscht und entwickelt Leitbilder,
Strategien und Instrumente für eine nachhaltige
Entwicklung. Sein Leiter, Prof. Ernst Ulrich von Weizsäcker,
ist Mitautor des oben genannten Buches.
Praxistipps für jedermann (auch für Schüler geeignet)
- Umweltbundesamt (2008): Energiesparen im Haushalt. Tipps
und Informationen zum richtigen Umgang mit Energie. Download
unter www.umweltdaten.de/publikationen/fpdf-l/188.pdf
- www.no-e.de/:
Die Aktion No-Energy wendet sich gegen den „Stromklau“ durch
Geräte, die auch dann Strom verbrauchen, wenn sie nicht
benötigt werden.
Bitte nutzen Sie auch folgende Informationen auf diesem Server:
Diese Unterrichtseinheit wurde zuerst publiziert in: Tilman
Langner: Die Fundgrube für den Umweltschutz in der Sekundarstufe
I. Berlin: Cornelsen Scriptor, 2000

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