Wir regieren mit!
Computergestützte Simulation in der
Umweltbildung
| Zielgruppe: |
Klassenstufe 5-12(13)
(je nach Alterssufe angepasste Aufgabenstellung) |
| Ziele: |
Schülerinnen und Schüler der
Klassenstufe 5-8 erhalten die Aufgabe, mittels einer
Computer-Software ein Ökosystem aufzubauen (den Aufbau
des Ökosytems spielerisch zu simulieren), in dem Pflanzen
und Tiere gedeihen können. Sie stehen dabei vor der
Herausforderung, ihre Kenntnisse über
- Arten,
- die Ansprüche dieser Arten an ihre Umwelt sowie
- die Wechselwirkungen zwischen den Arten (z.B. Jäger-Beute-Beziehung)
praktisch anzuwenden und somit zu vertiefen.
Schülerinnen und Schüler der Klassenstufe
9-12 (13) haben die Aufgabe, anhand einer Computersimulation
ein Gesellschaftssystem aufzubauen bzw. erfolgreich zu regieren.
Sie können dabei im Sinne des Nachhaltigkeitsleitbildes
erkennen, dass ökologische, ökonomisch/wirtschaftliche
und soziale Aspekte der Entwicklung einer Gesellschaft miteinander
zusammenhängen und dass eine Gesellschaft, die einen
dieser Bereiche erheblich vernachlässigt, zum Scheitern
verurteilt ist. Sofern dieses Wissen bereits vorhanden ist,
soll es in Form erfolgreicher Regierungsarbeit angewendet
werden. Durch die Arbeit im Team (jeweils vier Schüler,
von denen jeder ein Ressort/Ministerium zugewiesen bekommt)
können die Schüler die Interessenkonflikte in
der Politik nachvollziehen. |
| Fachbezug: |
Klassenstufe 5-8: Biologie, Geographie
Klassenstufe 9-12: Sozialkunde, Philosophie, Religion, Geschichte
|
| Vorbereitungs- und Durchführungsaufwand:
|
II - erfordert erhöhten Aufwand für
die Bereitstellung der Technik bzw. für die Anreise
zum IGA-Park Rostock. |
| Zeitbedarf: |
2 Unterrichtsstunden |
Voraussetzungen und Vorbereitung:
Für dieses Projekt wird für jeweils ca. 3-4 Schüler
ein Computerarbeitsplatz benötigt. Sie benötigen ferner
Lizenzen der Simulations-Programme "SIM Park" (für
Klassenstufe 5-8) bzw. "ecopolicy" (für Klassenstufe
9-12).
Der Computerraum sollte mit einem Beamer ausgestattet sein.
Durchführung:
- Einstimmung
- Einführung in die Aufgabenstellung
- Arbeit in Kleingruppen an den Simulationen
- Die Schüler der Klassenstufen 5-8 arbeiten mit der
Simulation SIM Park. Sie simulieren ein Ökosystem,
d.h. unter vorgegebenen abiotischen Faktoren können
sie hier Pflanzen und Tiere einsetzen und die Entwicklungen
der einzelnen Populationen beobachten. Dabei kann z.B. die
Aufgabe gestellt werden, die Population einer bestimmten
Art über den Zeitraum von mehreren Jahren hinweg konstant
zu halten und dabei die getätigten Eingriffe zu protokollieren.
- Die Schüler der Klassenstufe 9-12 arbeiten mit ecopolicy
und simulieren die Regierungstätigkeit in einem Staat.
Sie haben die Aufgabe, den Staat zu lenken und die Wohlfahrt
der Bevölkerung zu erhöhen. Bei diesem Spiel geht
es ganz klar um Bestehen oder Scheitern, d.h. wenn z.B.
die Wirtschaftskraft nicht ausreicht oder die Bevölkerung
explodiert, wird die Regierung abgesetzt und das Spiel ist
verloren. In diesem Spiel können vier Regierungsressorts
besetzt werden, entprechend sollten vier Schüler an
einem Computer gemeinsam arbeiten.
- Auswertung: Die Gruppen stellen ihre Ergebnisse vor. Dabei
- arbeiten sie die ökologischen / gesellschaftspolitischen
Zusammenhänge heraus,
- hinterfragen sie das Medium Computer und
- entwickeln eigene Standpunkte zu den in den Spielen verarbeiteten
Gesetzmäßgkeiten (nur optional - als höchste
Reflexionsstufe).
Eine spätere Vertiefung der in den Simulationen thematisierten
Fragestellungen im Rahmen des Fachunterrichts ist wünschenswert.
Begründung des Medieneinsatzes:
Diese Lehrveranstaltung baut auf konstruktivistischen
Vorstellungen vom Lernen auf.
Das aktive Experiment, die spielerische Simulation ist ganz
hervorragend dafür geeignet, die Lernenden zu eigener Wissenskonstruktion
anzuregen.
Aktives Experimentieren nach dem Prinzip von Versuch und Irrtum
in einem Ökosystem (z.B. Aussetzen einer neuen Art) verbietet
sich; zudem würden die Zeiträume, in denen das Ökosystem
reagiert, den Rahmen des Unterrichts sprengen. Die Simulation
SIM Park erlaubt derartige Experimente am Computer. Dabei spricht
sie mit ihrer annähernd realitätsnah dreidimensional
gestalteten Oberfläche und mit ihrem spielerischen Charakter
gerade auch jüngere Schüler an. Das Computerprogramm
kann und soll aber die Beschäftigung mit der realen Natur
(wissenschaftliche Exkursion, Naturerfahrung etc.) nicht ersetzen!
Es ist vielmehr als zusätzliche didaktische Option, als sinnvolle
Ergänzung des Biologieunterrichts zu verstehen.
In analoger Weise eröffnet auch ecopolicy Möglichkeiten
des Experimentierens, die Schülern sonst nicht gegeben sind.
Die Simulation arbeitet auf einem abstrakteren Niveau und ist
damit eher für ältere Schüler geeignet. Die "Systemgesetze",
die der Simulation zugrunde liegen (also mathematische Zusammenhänge
zwischen Bereichen der Gesellschaft wie "Produktion",
"Umwelt" und "Soziales") werden nicht nur
in Bildern sondern auch in Zahlen, Diagrammen und Texten verarbeitet.
Das Programm fördert den "Blick hinter die Kulissen",
d.h. es gibt die einprogrammierten Systemgesetze preis und begründet
sie. In einem hohen Level der Simulation können die Lernenden
sogar eigene Systemgesetze zur Anwendung bringen. Die Simulation
zeichnet ein stark vereinfachtes Bild von einer menschlichen Gesellschaft
- und bietet dennoch eine schwere Herausforderung.
Erfahrungen und Ergebnisse:
Im Rahmen des "Grünen Klassenzimmers" auf der
Internationalen Gartenbauausstellung IGA 2003 in Rostock haben
wir 21 Schulklassen bei diesen Projekten begleitet. Sowohl die
Lehrer als auch die Schüler haben die Veranstaltungen als
gut bis sehr gut bewertet. Besonders hervorgehoben wurde hier,
dass die Simulationen
- helfen können, tiefere und bessere Einblicke in globale
Zusammenhänge beim Schutz der Umwelt zu vermitteln und
- den Schülern ein selbstständiges Arbeiten erlauben.
Literatur und Kontakte:
- Ecopolicy (Rezension, Preisangaben, Systemanforderungen,
Kontakt zum Hersteller)
Weitere Simulationen:
- Sim City 3000 bzw. (noch neuer) 4000: Bei diesem Spiel versucht
der Spieler, eine Stadt aufzubauen, zu regieren und zu entwickeln.
Angesprochen sind Jugendliche bzw. Erwachsene. Sim City 3000
ist ein überaus interessantes, komplexes und auch optisch
ansprechendes Spiel. Allerdings erfordert es wesentlich mehr
Zeit als zwei Unterrichtsstunden; deshalb setzen wir es auf
der IGA 2003 nicht ein.
- Fishbanks
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