Pressemitteilung des Klima-Bündnis der europäischen Städte mit indigenen Völkern der Regenwälder / Alianza del Clima e.V., Europäische Geschäftsstelle Galvanistr. 28, D-60486 Frankfurt am Main fon +49-69-717139-0, fax +49-69-717139-93 europe@klimabuendnis.org www.klimabuendnis.org/
24. Januar 2002
Klima-Bündnis-Projekt des Monats Januar 2002
Stadt Köln, 1.017.700 EinwohnerInnen, D- Nordrhein-Westfalen
Ende letzten Jahres war es soweit: Der Beschluss zur Ausarbeitung eines Bebauungsplanvorentwurfes inklusive eines autofreien Wohngebietes in Köln- Nippes ist gefasst worden. Mit rund 350 Wohneinheiten (innerhalb eines Gesamtprojektes mit 700 Wohneinheiten) ist damit das größte autofreie Stadtquartier auf dem Weg zur Realisierung. Zukünftig werden dort rund 800 Menschen in Eigentumswohnungen und zur Miete in Geschossbauwohnungen und Reihenhäusern leben.
Seit Anfang 1994 ist autofreies Wohnen in Köln intensiv diskutiert worden. Im Vergleich mit ähnlichen Projekt-Ideen in anderen Kommunen ist die Klima-Bündnis-Stadt Köln von Beginn an sehr systematisch vorgegangen. Es wurden grundsätzliche Überlegungen zu autofreien Gebieten erörtert und keine einzelfallbezogenen Diskussionen geführt. Darüber hinaus wurden sowohl Politik und Öffentlichkeit als auch die relevanten Ämter und Abteilungen der Stadtverwaltung umfassend mit eingebunden.
Das Potential für ein autofreies Wohnprojekt ist in der Großstadt Köln mit mehr als 30 Prozent autofreien Haushalten vorhanden. Dies zeigte sich auch an der regen Beteiligung von 300 BürgerInnen an dem im Herbst 1995 gegründeten Arbeitskreis "Autofreie Siedlung". Bei den Motiven in einem autofreien Gebiet leben zu wollen, werden weniger Lärm, bessere Luft und Kinderfreundlichkeit zuerst genannt.
Ein entscheidender Schritt war Anfang 1995 der Beschluss des Fachausschusses des Kölner Rates, mögliche Standorte für autofreie Siedlungen auf ihre Eignung zu prüfen. Bei der Beurteilung der ursprünglich 30 ausgewählten Flächen wurden die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr, die Infrastruktureinrichtungen und die Siedlungsstruktur (Einbindung in vorhandene Siedlungen) bewertet. Grundsätzlich wurde Siedlungen mit mehr als 500 Wohneinheiten eine höhere Eignung zugesprochen, da die Vorteile bei großen autofreien Gebieten für die BewohnerInnen stärker zum Tragen kommen. Darüber hinaus wurden nur mittelfristig realisierbare Baugebiete positiv bewertet, denn Interessierten sollte ein konkreter Realisierungszeitpunkt genannt werden können. Damit aber noch Einfluß auf die Bebauungsstruktur genommen werden konnte, führte auch eine kurzfristige Realisierung zur Abwertung.
Autofreie Quartiere bieten nicht nur den BewohnerInnen eine höhere Lebensqualität, sie entlasten auch die angrenzenden Gebiete von zusätzlichem Autoverkehr, Lärm und Luftschadstoffen. Der öffentliche Nahverkehr gewinnt neue Fahrgäste - auch wenn Car-Sharing als ergänzendes Mobilitätsangebot vorhanden ist. Last but not least verbessert sich die Energiebilanz in autofreien Wohngebieten, je nach Anteil der Haushalte, die ihr Auto aufgrund des neuen Wohnungsangebotes abschaffen bzw. deshalb kein Auto kaufen, ganz erheblich. In einem Forschungsprojekt wurde für autofreie Haushalte eine Verbrauchsverminderung von über 80 Prozent ermittelt. Autofreie Stadtquartiere können somit einen Beitrag zum Klimaschutz leisten.
Kontakt: Stadt Köln, Jürgen Möllers Willy-Brandt-Platz 2, D-50679 Köln fon +49-221-221-22851, fax +49-221-221-22450 juergen.moellers@stadt-koeln.de www.koeln.de/